„EIN NEUER SIEG VERWÜSTET ROM DIE HAUPTSTADT DER WELT" – Von Brigitte Maria Mayer
Meine Bildwelten versuchen Mythos, Historie und Gegenwart zu verknüpfen, hinter den Handlungen, zeitlose, sich wiederholende Muster zu extrahieren und zu inszenieren. Sie behandeln die Zerstörung geschätzter Räume („das Heilige„), spüren dem Mechanismus ihrer Zerstörung nach und fragen nach dem Widerspruch von Mythos/Religion und Aufklärung/Moderne. Die Erzählstruktur ist assoziativ, die Parallelität von drei Screens eröffnet die Möglichkeit die Zeiten und Orte einer globalisierten Welt ineinander fallen zu lassen. Im Vordergrund steht das Bild, der Text läuft als eigene Ebene, fast musikalisch über die Bilder, ohne direkte Rede, als Erzählung und ist doch den Hauptfiguren zuzuordnen. Heiner Müllers späte Textblöcke sind für diese Art von assoziativem Erzählen ideal, funktionieren sie doch fast skulptural in ihrer Hermetik. Sie sind in ihrer Zuordnung der Figuren hybrid, Hauptmerkmal einer globalisierten Welt, in der die Zuordnung von Gut und Böse schwer fällt, weil die jeweils kulturellen Zusammenhänge, denen wir uns aussetzen müssen, verschiedener nicht sein könnten. So sind die Römer immer auch die Goten, erscheinen unsere zivilisatorischen Errungenschaften anderen durchaus als barbarisch, wie zum Beispiel die Auslagerung von Alter und Tod, die Mechanisierung des Tötens. Und so sind die Goten auch immer die Römer, in ihrem Machtanspruch, dem Höherstellen der eigenen Kultur, dem Willen, am Reichtum teilzuhaben, in vielleicht unverstellterer Gier. Europäer mit Visafreiheit und Rückflugticket zu sein, ist noch immer das Paradies, in Deutschland geboren zu sein, in seiner einmaligen historischen Konstellation nach dem 2.Weltkrieg, seiner hohen sozialen Durchmischung, seiner kulturellen Pracht ein Privileg. Nur manchmal überkommt mich die ungeheure Müdigkeit der zivilisierten Barbarin.